In einem Interview mit dem „Kölner Stadtanzeiger„ spricht Kardinal Joachim Meisner auch über die Moscheebau-Problematik:
Ihre Dombaumeisterin hat zur geplanten Moschee in Ehrenfeld gesagt, im Größenvergleich mit dem Dom sei die Moschee nicht mehr als ein Kapellchen. Was denken Sie über das Projekt?
MEISNER: Wir haben Religionsfreiheit. Und eine so große Gemeinschaft wie die Muslime in Köln hat auch das Recht auf ein Gotteshaus. Wie das ins Stadtbild passt, das müssen die kommunalen Behörden entscheiden. Um jedoch zur Entspannung in der Stadt beizutragen, habe ich der Türkisch-Islamischen Union Ditib nach meiner Türkei-Reise im Sommer einen Brief geschrieben mit der Bitte, ein Projekt in der Türkei zu unterstützen. Der Papst hat ja 2008 zum Paulus-Jahr erklärt. Wir feiern damit den 2000. Geburtstag des Apostels Paulus. Aber an dessen Geburtsort in Tarsus besitzen wir Christen nichts. Darum war mein Vorschlag an die Ditib: Setzen Sie sich doch mit dafür ein, dass wir dort ein Pilgerzentrum und eine kleine Kirche bauen können. Das wäre doch ein starkes Zeichen der Verständigung zwischen den Religionen und würde hier in Köln zum Ausgleich beitragen.
Wie hat die Ditib geantwortet?
MEISNER: Es kam eine Antwort, nachdem ich nochmals geschrieben hatte. Es gibt ein Gesprächsangebot, aber in der Sache sind wir noch kein Stück weiter. An die türkische Botschaft hatte sich auch der Leiter des Kommissariats der Deutschen Bischöfe in Berlin in dieser Angelegenheit gewandt. Von dort gab es kein positives Signal. Dabei will ich niemanden unter Druck setzen oder gar erpressen, sondern eine Brücke bauen, damit die Dinge auch hier in Köln leichter werden.
Sie machen den Bau von Kirchen in der Türkei also nicht zur Bedingung für die Errichtung repräsentativer Moscheen hier?
MEISNER: Wenn das Experiment in Tarsus scheitern sollte, heißt das nicht, dass ich hier in Köln ein Veto gegen die Moschee einlegen werde. Das steht mir nicht zu. Und ich könnte es ja schon rein rechtlich gar nicht. Aber es ist doch so: 1920 lebten in der Türkei 20 Prozent Christen. Heute sind es noch ganze 100.000. Und denen wird es auf alle mögliche Weise schwer gemacht. Kritisiere ich das, heißt es vom Staat, das sei Einmischung in innere Angelegenheiten. Dem halte ich entgegen: Wenn die Türkei doch nach Europa will, muss sie die Religionsfreiheit als eines der wesentlichen Fundamente Europas akzeptieren. Was mich unterdessen mit Blick auf die Moscheen hier bei uns noch beschäftigt, ist die Frage: Was passiert dort inhaltlich? Verträgt sich das alles mit unserer freiheitlich-demokratischen Ordnung? Der Staat kann es selbstverständlich nicht zulassen, dass diese Ordnung in Frage gestellt wird.